Sorbisches Gymnasium Bautzen

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Tschechische Woche am Sorbischen Gymnasium (8.-12.12.2025)

Die Tschechische Woche am Sorbischen Gymnasium stand ganz im Zeichen der Begegnung, der Sprache und einer gelebten sorbisch-deutsch-tschechischen Freundschaft. Eine ganze Woche lang wurden aus Unterrichtstagen besondere Erlebnistage – in Klassenräumen, in Familie und mitten in der Stadt.

Ankunft und erster Schultag

Am Sonntagabend, den 7. Dezember, zogen zwei Schülerinnen des Gymnasiums Varnsdorf – Nela und Markéta – in unser Internat ein und begleiteten die gesamte Woche über den Unterricht in der 10-2. In der ersten Tschechischstunde am Montag lernten sie mithilfe verschiedener Kennenlernspiele ihre neuen Mitschüler kennen und bekamen anschließend eine Führung durch die Schule. Am Nachmittag erkundeten sie die Stadt, erfuhren mehr über ihre Geschichte und ließen den Tag bei einem Besuch des Weihnachtsmarktes mit traditionellem Kinderpunsch ausklingen.

Deutsch-tschechischer Projekttag mit der 6. Klasse

Höhepunkt der Woche war der Dienstag, 9. Dezember: 33 Schülerinnen und Schüler der 6. Klasse aus Varnsdorf, welche seit drei Monaten Deutsch lernen, besuchten unser Gymnasium und trafen auf die 28 Tschechisch-Schüler unserer 6. Klasse. Die 10. Klasse hatte für die Gäste eine Schulrallye vorbereitet, bei der sie spielerisch das Gebäude und wichtige Orte des Schulalltags kennenlernen konnten. Im Anschluss zeigte Leńka (10-2) den Kindern, wie man einen Weihnachtsstern bastelt – ein selbst gestaltetes Souvenir, das alle mit nach Hause nehmen durften.

Danach kamen die deutschen und tschechischen Sechstklässler bei Kennenlernspielen zusammen: Sie erfuhren die Namen der anderen, sprachen über Interessen und Hobbys und tauschten grundlegende Informationen aus – jeweils in der fremden Sprache. Zum Abschluss sangen alle gemeinsam auf Tschechisch das Lied „Jingle Bells“ und stärkten sich anschließend beim Mittagessen in der Schulkantine. Am Nachmittag ging es in kleinen Gruppen auf den Weihnachtsmarkt, wo die Kinder eine lebendige Weihnachtstradition erlebten und lokale Spezialitäten probierten. Gegen 16 Uhr kehrte die Varnsdorfer Gruppe voller Eindrücke nach Hause zurück – erste Freundschaften waren geknüpft, Telefonnummern ausgetauscht und die Vorfreude auf den Gegenbesuch im Frühjahr in Varnsdorf ist bereits groß.

Begegnungen in Familie und Unterricht

Am Mittwoch, den 10. Dezember, stand ein besonderes interkulturelles Erlebnis auf dem Programm: Französische und tschechische Schülerinnen backten und verzierten gemeinsam Weihnachtsplätzchen bei einer tschechisch-sorbischen Familie. So wurde gelebte Mehrsprachigkeit mit einer sinnlichen Erfahrung verbunden – duftend, kreativ und ausgesprochen herzlich.

Am Donnerstag besuchten die beiden tschechischen Schülerinnen den Tschechischkurs der 11. Klasse. Dort übernahmen sie teilweise selbst die Rolle der Lehrerinnen: Sie halfen bei Aufgaben, unterstützten ihre sorbischen/deutschen Mitschülerinnen und Mitschüler und lernten weitere Jugendliche aus unserer Schule kennen. Am Nachmittag stand ein eindrucksvoller Besuch im Stasi-Gedenkstätte auf dem Programm, welcher allen Beteiligten neue Einblicke in die gesellschaftlichen und rechtlichen Zusammenhänge der damaligen Zeit ermöglichte.

Kabarett, Identität und Abschied

Der Freitag, 12. Dezember, bildete den kulturellen Abschluss der tschechischen Woche: In der Aula unseres Gymnasiums gastierte das deutsch-tschechische Kabarett „To téma“ – das erste und einzige seiner Art mit Sitz in Prag. Das Ensemble besteht eigentlich aus fünf Künstlern. An diesem Tag standen Roman aus Tschechien und Philipp aus der Schweiz auf der Bühne. Sie arbeiten zweisprachig mit simultaner Übersetzung und verbinden Humor mit politischen und kulturellen Themen, weshalb das Spiel fast immer ziemlich interaktiv ist. Gezeigt wurde ihr bekanntestes Stück „Gefühl und Cit“, in welchem es um scheinbar einfache, in Wahrheit aber sehr grundlegende Fragen geht: Identität, Minderwertigkeit und Wertigkeit, böhmische Verliebtheit, kultureller Identitätswahn, Sprachverdruss, Schwatzwut und Sprachknödel.

Am Nachmittag traten die tschechischen Schülerinnen die Heimreise an. Sie hinterließen Dankesbriefe für die Klassen, welche sie in dieser Woche besucht hatten, und betonten, wie gut ihnen der Aufenthalt gefallen hat und dass sie sehr gern wiederkommen möchten. Die tschechische Woche hat damit nicht nur sprachliche Lernfortschritte ermöglicht, sondern vor allem persönliche Begegnungen, Vertrauen und Neugier aufeinander wachsen lassen – eine starke Basis für die weitere sorbisch-deutsch-tschechische Zusammenarbeit unseres Gymnasiums.

Jana Štillerová