Sorbisches Gymnasium Bautzen

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Vier Wochen in Prag: Mila Kliemann lernt die tschechische Hauptstadt kennen

Vier Wochen lang nicht nur zu Gast sein, sondern dazugehören: Diese besondere Möglichkeit erhielt Mila Kliemann vom Sorbischen Gymnasium Bautzen durch ein Stipendium des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus. Vom 18. September bis zum 17. Oktober 2026 besuchte sie das Thomas-Mann-Gymnasium in Prag und lebte bei einer tschechischen Gastfamilie. Damit ist Mila die erste Schülerin des Sorbischen Gymnasiums, welche dieses Stipendium erhalten hat – ein besonderer Erfolg für sie und ihre Schule.

Der Aufenthalt führte Mila an eine Schule, an der die Begegnung zwischen deutscher und tschechischer Sprache zum Alltag gehört. Das Thomas-Mann-Gymnasium bietet teilweise zweisprachigen Unterricht und legt Wert auf die individuelle Förderung seiner Schülerinnen und Schüler. Deutsch wird dort nicht nur als Fremdsprache gelernt, sondern auch in verschiedenen Unterrichtsfächern verwendet. Im Gespräch erläuterte der Schulleiter, Herr Martin Herbert Dzingel, dass kleine, nach Sprachkenntnissen zusammengesetzte Lerngruppen dazu beitragen, auf unterschiedliche Voraussetzungen einzugehen.

Für Mila bedeutete das, sich auf einen neuen Stundenplan, andere Unterrichtsabläufe und eine neue Klassengemeinschaft einzulassen. Zugleich konnte sie ihre Tschechischkenntnisse dort anwenden, wo Sprache besonders lebendig wird: im Unterricht, in den Pausen und im täglichen Zusammenleben. Auch im Fach Tschechisch nahm sie am regulären Unterricht teil – eine andere Herausforderung als der Fremdsprachenunterricht zu Hause. Im Deutschunterricht lernte sie dagegen in einer kleinen Gruppe mit insgesamt sieben Schülerinnen und Schülern.

Wie gut Mila den neuen Schulalltag meisterte, zeigte sich im Gespräch mit ihrer Klassenleiterin, Frau Blanka Drescher, welche sie auch in Mathematik unterrichtete. Sie beschrieb Mila als ruhig, bescheiden, fleißig und gewissenhaft. Besonders beeindruckte sie, wie schnell sich die Gastschülerin zurechtfand: Trotz der ungewohnten Umgebung arbeitete Mila selbstverständlich mit und bewältigte den Schulalltag zunehmend eigenständig.

Auch fachlich hinterließ die Gastschülerin einen starken Eindruck. Bei einer Mathematikarbeit erzielte Mila das beste Ergebnis der Klasse und sammelte darüber hinaus Punkte bei den Zusatzaufgaben. Dass der Unterricht überwiegend auf Tschechisch stattfand, hinderte sie offenbar nicht daran, ihr mathematisches Können zu zeigen. Die Klassenleiterin würdigte dabei vor allem ihre sorgfältige Arbeit und ihren Einsatz.

Ebenso wichtig wie gute Leistungen waren die persönlichen Begegnungen. Mila fand Anschluss an Mitschülerinnen und knüpfte neue Freundschaften. Ihre Klassenleiterin sah darin einen schönen Erfolg: Sich innerhalb weniger Wochen in einen Klasseverband in einem fremden Land einzuleben, ist schließlich keine Selbstverständlichkeit. Auch der Schulleiter, der Mila zu Beginn persönlich begrüßt und in die Klasse begleitet hatte, berichtete von positiven Rückmeldungen zu ihrer Eingliederung.

Zum Aufenthalt gehörte aber weit mehr als Schule. Durch das Leben in einer tschechischen Gastfamilie lernte Mila den Alltag ihres Nachbarlandes unmittelbar kennen. Kultur und Traditionen begegneten ihr nicht nur als Unterrichtsthema, sondern als Teil des täglichen Zusammenlebens.

In ihrer Freizeit entdeckte sie außerdem Prag. Im Gespräch erzählte sie von Ausflügen ins Stadtzentrum, einem Besuch im Zoo und einem Besuch im Spejbl-und-Hurvínek-Theater. So verbanden sich die schulischen Erfahrungen mit eigenen Eindrücken vom kulturellen Leben der tschechischen Hauptstadt. Gerade diese Verbindung machte die vier Wochen besonders: Mila lernte nicht nur eine andere Schule kennen, sondern bewegte sich auch außerhalb des Unterrichts in einer neuen sprachlichen und kulturellen Umgebung.

Dass Mila diese Gelegenheit nutzen konnte, war keineswegs selbstverständlich. Insgesamt hatten sich rund 170 Schülerinnen und Schüler aus Sachsen um ein Stipendium beworben und nur 35 erhielten eine Zusage.

Auch auf tschechischer Seite wurde Milas Interesse am Nachbarland sehr geschätzt. Ihre Klassenleiterin betonte im Gespräch, wie sehr sie sich darüber freue, dass eine Schülerin aus Deutschland Tschechisch lernt und für einen Schulaufenthalt nach Prag kommt. Der Schulleiter zeigte sich ebenfalls offen für weitere solche Begegnungen.

Milas Aufenthalt zeigt, wie viel in vier Wochen möglich ist: In einer anderen Sprache lernen, sich in einer neuen Gemeinschaft zurechtfinden, Freundschaften schließen und den Alltag eines Nachbarlandes kennenlernen. Für das Sorbische Gymnasium ist sie damit nicht nur die erste Empfängerin dieses Stipendiums, sondern auch ein ermutigendes Beispiel dafür, eine besondere Chance zu ergreifen und Neues zu wagen.

PhDr. Jana Štillerová